ref. Obwalden
ref. Obwalden Anspiel der Sonntagschule

Anspiel der Sonntagschule

zum Thema «Hoffnung auf Befreiung», Exodus 4
Beitrag vom 13. März 2021

Am Sonntag 14. März 2021 wurde dieses Anspiel zu Exodus 4 von unserer Sonntagschule aufgeführt.
Wenn Sie möchten können Sie nach dem Film auch die unten stehende Kurzpredigt dazu lesen.

Ja, es wurde tatsächlich zuerst noch schlimmer für das Volk Israel. Der Pharao wollte sie nicht gehen lassen und liess sie noch härter arbeiten. Es brauchte noch sehr viel Überzeugungsarbeit von Mose, Aaron und vor allem von Gott selbst, bis der Pharao einknickte. 

In ihrem Anspiel haben die Kinder die Situation der Israeliten eindrücklich dargestellt. Aber können wir überhaupt nachvollziehen, was das für diese Menschen damals bedeutet hat? Niemand von uns muss Fronarbeit leisten, also Zwangsarbeit ohne Bezahlung – das hoffe ich zumindest. Wir sind uns hier in der Schweiz doch ein Leben in grosser Freiheit gewohnt.

Am Suppentag denken wir ja jeweils an Menschen, die heute unter Unrecht leiden müssen, die benachteiligt oder unterdrückt werden. Auch da ist es manchmal schwierig, dass wir uns wirklich vorstellen können, was das für die betroffenen Menschen bedeutet – wenn wir doch selbst ein ganz anderes Leben führen können.

Nun, vielleicht können wir uns heute – nach einem Jahr der Pandemie – ein bisschen besser einfühlen in all jene, die ihr Leben lang mit viel weniger Freiheiten und Möglichkeiten leben. Auch wir müssen im Moment vorübergehend einige Freiheiten aufgeben: wir können nicht überall hinreisen, können nicht im Restaurant essen gehen oder in den Ausgang, wir können uns nur sehr begrenzt mit anderen treffen und einige können sogar nicht einmal mehr ihrem Beruf nachgehen. Obwohl das für viele von uns sehr belastend ist, sind wir immer noch viel besser dran als die Israeliten damals in Ägypten und auch viel besser als die Menschen heute in Syrien, in Afghanistan oder im Sudan. 

Die Pandemie hat uns eine traurige Wahrheit einmal mehr vor Augen geführt, auf die schon Jesus hingewiesen hat. Er hat gesagt: «Wer hat, dem wird noch mehr gegeben. Wer nicht hat, dem wird noch das Wenige genommen.» Sowohl bei uns in der Schweiz als auch weltweit leiden vor allem diejenigen Menschen noch mehr, die es vorher schon schwer hatten. Einige werden immer wieder von Not getroffen, so auch das Volk Israel. Leider hat sich ihre Erfahrung in Ägypten in den vergangenen 3000 Jahren noch einige male wiederholt. Immer wieder wurden die Israeliten unterdrückt und hatten Befreiung nötig. 

Von daher ist es eine klare Aussage, wenn heute nicht nur die Juden, sondern auch wir Christen uns auf den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs beziehen. Wir glauben also nicht an einen Gott, der die Mächtigen schützt auf Kosten der Ohnmächtigen, sondern ganz im Gegenteil. Wir glauben an einen Gott, der sich auf die Seite der Unterdrückten stellt und ihnen Hoffnung gibt, der sie aus ihrer Not herausführt. Unser Glaube beinhaltet deshalb ganz wesentlich, dass auch wir uns solidarisieren mit Menschen, die es schwer haben im Leben. Und unser Glaube lebt daher auch von der Hoffnung, dass die vielfältige Not der Menschen und alles Unrecht ein Ende haben wird.

Auf dem schwierigen Hintergrund der Unterdrückung ist die Geschichte des Mose aber eine Hoffnungsgeschichte. Sie erzählt von der grossen Hoffnung, als eigenständiges Volk in einem verheissenen Land leben zu dürfen. In dieser Geschichte sehe ich drei Aspekte der Hoffnung: 

a) Hoffnung führt zu Geduld. Wer ganz fest mit einer guten Veränderung in der Zukunft rechnet, der findet die Kraft, darauf zu warten. Das Volk Israel musste immer wieder Geduld haben, aber es hat auch wiederholt erfahren, dass ihre Hoffnung nicht enttäuscht wurde. 

b) Hoffnung führt zu mutigen Schritten – zum Beispiel zum Pharao gehen und ihn im Namen Gottes herausfordern. Hoffnung lässt uns nicht bloss passiv abwarten, sondern bringt uns auch selbst in Bewegung. Die Geschichte des Mose zeigt: Gott beruft und braucht Menschen. Er braucht uns! Wir sollen die Situation von Menschen die leiden mit verändern. 

c) Hoffnung braucht eine verlässliche Grundlage. Es genügt nicht, sich einfach etwas Gutes einzureden. Genau deshalb erinnern wir uns an diese Geschichten der Bibel, an die Geschichte, die Gott bisher schon mit den Menschen geschrieben hat. Deshalb erinnern sich die Juden bis heute immer wieder an den Auszug aus Ägypten, weil dies der Grund ist daran festzuhalten, dass Gott auch heute noch ihnen beistehen wird und sie wieder von neuem befreien wird, wenn das nötig ist. Deshalb erinnern wir Christen uns an all die Geschichten von Jesus, weil wir auf dieser Grundlage hoffen können, dass Gott sich uns heute genau so zuwendet, wie sich damals Jesus den Menschen angenommen hat.

Ja, wir haben allen Grund zu hoffen, weil es Gott gut mit uns meint und er immer noch derselbe ist wie vor 3000 Jahren. Das lässt uns geduldig werden aber auch mutige Schritte unternehmen – nicht nur für uns selbst, sondern auch für unsere Mitmenschen, die Hoffnung brauchen.